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c't 23/99, S. 172: Suchmaschinen: Recherchestrategien

 

Stefan Karzauninkat

 

Zielfahndung

 

 

Suchmaschinen, Kataloge, Spezialisten und kommerzielle Datenbanken richtig einsetzen

 

Nicht nur Anf√§nger werden bei der Recherche im Internet von den Suchmaschinen h√§ufig mit wertlosen Treffern √ľbersch√ľttet. Doch mit ein wenig Know-how bringt man die Suchknechte dazu, die gew√ľnschten Ergebnisse zu liefern - wenn man nicht gleich einen anderen, spezialisierten Fahnder einsetzt, der sich f√ľr viele Aufgaben besser eignet.
 
Wie es um die Recherchekenntnisse der Surfer bestellt ist, l√§sst sich sehr gut feststellen, wenn man sie bei der Suche beobachtet. Einige Suchmaschinen erm√∂glichen dies. Fireball beispielsweise zeigt mit seiner Funktion ‚ÄėLive-Suche‚Äô eine permanent aktualisierte Auswahl von Suchanfragen. Neben hochinteressanten Einblicken in die Hobbys der Benutzer (‚Äė+mountainbike +tour +reise‚Äô), ihre Probleme (‚Äėisdn howto‚Äô) und saisonal besonders angesagte Themen (‚Äėwinterreifen‚Äô) offenbart die Live-Suche auch, dass viele Benutzer die Bedienung des Suchhelfers nicht richtig beherrschen.
 
Sie verkn√ľpfen Suchbegriffe falsch (‚Äėehe und gewalt‚Äô) oder suchen nach viel zu allgemeinen Ausdr√ľcken (‚ÄėAutos‚Äô). Wer solche ungenauen Suchbegriffe vorgibt, der darf sich nicht wundern, dass er mit Hunderttausenden von Treffern erschlagen wird - von Reiseangeboten inklusive Mietwagen √ľber einen Kleinanzeigendienst bis hin zu einer √úbersicht der LKW-Fahrverbote in Europa reicht das Sortiment der angebotenen Verweise unter den ersten zehn Treffern. Ob der Benutzer das wirklich alles finden wollte?
 
Noch eine zweite Tatsache wird sehr deutlich, wenn man den Fireball-Benutzern auf die Finger schaut: Viele suchen mit der allgemeinen Volltextsuchmaschine nach Informationen, die sie auf anderen, spezialisierten Diensten in besser aufbereiteter Form und vollst√§ndiger erhalten. Informationen √ľber ‚ÄėFrauen√§rzte‚Äô liefert beispielsweise der Gesundheitsdienst Lifeline, ‚ÄėKuchenrezepte‚Äô findet man in einer der einschl√§gigen Datenbanken wie der Rezeptsammlung der Unix-AG an der Universit√§t Kaiserslautern oder auf dem Server einer einschl√§gigen Zeitschrift wie ‚ÄėMeine Familie und ich‚Äô.
 
Vor√ľberlegungen
 
Bevor ein Surfer also vorschnell einen Recherchebegriff in eine der Suchmaschinen eintippt, sollte er sich genau √ľberlegen, wo er sucht. H√§ufig f√ľhrt gerade nicht die Suche mit einer der Volltextsuchmaschinen oder gar einer Metasuchmaschine am schnellsten zur Antwort, sondern die Recherche nach einem Spezialangebot, das die ben√∂tigte Information bereith√§lt. Mittlerweile gibt es Hunderte von Spezialdatenbanken mit Internetanschluss, die jedermann kostenlos offen stehen.
 
Dar√ľber hinaus sollte der Suchende genau erw√§gen, √ľber welche Informationen er bereits verf√ľgt und was genau er sucht. Je spezieller er den Suchbegriff w√§hlt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Begriff in einem anderen Zusammenhang vorkommt als in dem gew√ľnschten. Das sch√∂ne Wort Buttermilchproduktion zum Beispiel ist derma√üen einem bestimmten Fachgebiet zuzuordnen, dass es kaum in einem falschen Zusammenhang vorkommen kann - es sei denn, das Wort wurde schon mal als Beispiel gebraucht. In solchen F√§llen ist es sinnvoll, eine Suchanfrage zu starten, die eine m√∂glichst breite Datenbasis erfasst. Metasuchmaschinen sind hierf√ľr besonders geeignet. Es kann (wie im genannten Beispiel) vorkommen, dass selbst Metasucher nur eine Hand voll Eintr√§ge finden.
 
Aber selbst Fachbegriffe kommen hin und wieder in unterschiedlichen Zusammenh√§ngen vor. Wer feststellt, dass eine breit angelegte Metasuche zu viele Ergebnisse liefert, muss diese einschr√§nken. Leider lassen Metasucher keine allzu komplizierten Verkn√ľpfungen von Suchbegriffen zu, sodass es notwenig werden kann, zu einer normalen Volltextsuchmaschine zu wechseln. Dort kann der Surfer dann auf der gesamten Klaviatur der Filterm√∂glichkeiten spielen.
 
Hier ist eine Vorauswahl nach dem Suchraum sinnvoll: Suchmaschinen mit internationalem Datenbestand m√ľssen die Webadressen weltweit durchk√§mmen, deutschsprachige Suchdienste, die ihre Dokumente nach der verwendeten Sprache filtern und nur passende Seiten aufnehmen, k√∂nnen die Gesamtzahl an Eintr√§gen f√ľr diesen etwas kleineren Suchraum leichter aktuell und weitgehend komplett halten.
 
Weniger ist mehr
 
Das Problem mit der Suche im Netz besteht inzwischen weniger darin, √ľberhaupt einen Treffer zu finden, als vielmehr, viel zu viele irrelevante Fundstellen gelistet zu bekommen. Folglich bleibt keine andere Wahl, als sich mit den M√∂glichkeiten zu befassen, eine Suche einzugrenzen. Die Funktionen dazu sind je nach Suchdienst h√∂chst verschieden. Die Tabellen auf Seite 170 geben einen √úberblick √ľber die wichtigsten Befehle.
 
Als Quasi-Standard kann man aber die booleschen Operatoren benutzen, die mit wenigen Ausnahmen so gut wie jede Suchmaschine beherrscht. Die UND-Verkn√ľpfung zweier oder mehrerer Begriffe, die das Vorhandensein s√§mtlicher Begriffe in den Trefferdokumenten erzwingt, funktioniert √ľber ein Pluszeichen ‚Äė+‚Äô, das jedem einzelnen Begriff unmittelbar voranzustellen ist. Bleibt das Pluszeichen weg, so handelt es sich um eine ODER-Verkn√ľpfung, bei der nur mindestens einer der verkn√ľpften Begriffe enthalten sein muss. Das Minuszeichen ‚Äė-‚Äô schlie√üt einen Suchbegriff explizit aus. Auch dieses Zeichen muss unmittelbar vor dem betreffenden Wort stehen.
 
Trunkierungen erm√∂glichen es, nach Wortst√§mmen zu suchen, indem der Suchbegriff an passender Stelle einfach ‚Äėabgek√ľrzt‚Äô wird. Die meisten Maschinen verwenden hierzu den Stern ‚Äė*‚Äô: Die Suche nach Auto* findet dann beispielsweise Automobil, Automotor, Autobahn et cetera. Genauso n√ľtzlich ist die M√∂glichkeit, mehrere W√∂rter zu einer Phrase zusammenzufassen. Hierzu werden meist Anf√ľhrungszeichen verwendet: "Katz und Maus" findet genau diese Zeichenkette inklusive der Leerzeichen und nicht die einzelnen W√∂rter.
 
Einige Suchmaschinen bieten die Suche in Feldern an; dies sind Informationen √ľber besondere Teile eines HTML-Dokuments. Anhand der HTML-Tags lassen sich f√ľr besonders pr√§gnante Teile einer Seite wie Titel, √úberschriften oder Meta-Tags ausw√§hlen und suchen - interessant, wenn man zum Beispiel eine Site wieder finden will und sich noch an bestimmte Elemente erinnern kann.
 
Leider ist die Suche in manchen Feldern inzwischen problematisch geworden. Sendungsbewusste Seitenanbieter benutzen sie zum so genannten Suchwort-Spamming: Hierbei baut man an entsprechender Stelle ein Übermaß an Wortwiederholungen oder irrelevante Informationen in die jeweiligen Seiten ein. Die Indizierungssoftware der Volltextsuchmaschinen kann das nur bedingt erkennen. So kann es passieren, dass mancher Recherchierende ganz und gar auf den Holzweg gelockt wird.
 
Das passiert vor allem bei popul√§ren Themen, ganz besonders bei beliebten Schauspielerinnen und vielen anderen im Rampenlicht stehenden attraktiven Damen, beispielsweise Sportlerinnen wie Steffi Graf. Wer √ľber Stars nachforschen m√∂chte, ohne in glibberige Abgr√ľnde abzurutschen, der sollte einen Katalog oder eine spezielle Suchmaschine benutzen. Gerade f√ľr Cineasten gibt es erstklassige Angebote, zum Beispiel die Internet Movie Database.
 
Viele Suchmaschinen bieten komfortable weitere Einschr√§nkungsm√∂glichkeiten an. Es lohnt sich, einmal einen Blick auf die erweiterten Funktionen zu werfen: ‚ÄėAdvanced Search‚Äô, ‚ÄėDetailsuche‚Äô oder ‚Äėmehr Optionen‚Äô sind Links, hinter denen sich eine ganze Reihe weiterer Konfigurationsm√∂glichkeiten verbergen (zu den Details der speziellen Suchfunktionen einzelner Suchmaschinen siehe c't 23/99, Seite 170). Ein wichtige M√∂glichkeit ist die Eingrenzung auf einen bestimmten Erstellungszeitraum; so lassen sich Verweise auf veraltete Dokumente ausblenden. Auch der gezielte Ausschluss von Domains kann sinnvoll sein - vor allem dann, wenn viele Treffer auf einer einzelnen Website das Gesamtergebnis durcheinander bringen.
 
Trotz der großen Datenbestände und pfiffigen Konfigurationsmöglichkeiten sind Volltextsuchmaschinen nicht immer das geeignete Werkzeug. Mit Sachverstand zusammengestellte Kataloge bieten einen komplett anderen Suchansatz: Hier geht es nicht um Zeichenketten und logische Operatoren, sondern tatsächlich um die Inhalte der Sites. Wenn nicht nur ein spezieller Begriff das Recherchethema kennzeichnet, sondern es von allgemeiner Natur ist, dann bestehen gute Chancen, einige Verweise dazu in einem Katalog zu finden.
 
Bei Katalogen muss man zwischen Stich- und Schlagw√∂rtern unterscheiden: Schlagw√∂rter sind die Begriffe, nach denen die Kataloghierarchie aufgebaut ist. Zu jedem Eintrag verzeichnet ein Katalog eine kurze, von der jeweiligen Redaktion verfasste Beschreibung: die Stichw√∂rter. Die Volltextsuche der Kataloge durchsucht sowohl Schlag- als auch Stichw√∂rter. Daher treten hier andere inhaltliche Bez√ľge als bei Volltextsuchmaschinen auf. Zur Verwirrung tr√§gt zus√§tzlich bei, dass viele Kataloge durch eine Kooperation mit einer Volltextsuchmaschine auch dann Treffer auflisten, wenn es keine im eigenen Verzeichnis gibt. Die Suche wird einfach an die Suchmaschine ‚Äėdurchgereicht‚Äô. Deren Ergebnisse pr√§sentiert das Verzeichnis im eigenen Layout, sodass man sehr genau hingucken muss, um herauszufinden, wer denn nun tats√§chlich den Treffer gefunden hat und an welcher Stelle weitergesucht werden muss.
 
Je allgemeiner, desto spezial
 
Die Möglichkeiten, sich mit spezialisierten Rechercheuren zu ganz bestimmten Themen zu informieren, werden immer vielfältiger. Dabei reagiert das Netz sehr schnell auf neue Trends. Beispiel MP3: Sehr schnell, nachdem das neue Musikformat populär wurde, entstanden auch spezielle Suchdienste wie MP3.com. Mittlerweile gibt es Dutzende MP3-Suchmaschinen - auch die großen wie Lycos bieten entsprechende Recherchefunktionen - und sogar schon Meta-MP3-Suchmaschinen wie MP3 Meta. Eine Übersicht gibt [1].
 
Wie aber an die Spezialisten herankommen? Auch hierf√ľr gibt es spezielle Verzeichnisse. Diese Eintrittspforten in die Welt der Fachrechercheure werden zu Unrecht noch wenig beachtet. Zwei amerikanische Quellenkataloge d√ľmpelten lange als spr√∂de Linklisten umher und mauserten sich erst vor kurzem zu umfassend sortierten ‚ÄėHubs‚Äô. Eine hei√üt auch gleich so: The Big Hub. Der ‚Äėgro√üe Mittelpunkt‚Äô listet, nach Kategorien sortiert, zirka 2000 Datenbanken und Verzeichnisse. Der Schwerpunkt liegt auf amerikanischen Quellen. Umfassend und gut gepflegt findet man dort auch kleine und exotische Suchdienste wie die Datenbank des Primate Info Net, einem Netzwerk f√ľr Primatenforscher. Ein anderes gro√ües Verzeichnis internationaler Suchdienste ist Beaucoup. Und weil auch Spanisch als Weltsprache eine wichtige Rolle spielt, sei auch eine Spanisch sprechende Suchmaschinen-Suchmaschine erw√§hnt: Buscopio hat nach eigenen Angaben etwa 3000 Suchdienste gelistet: internationale nach L√§ndern und spanische nach Themengebieten sortiert.
 
In Deutschland war Klug-Suchen das erste Verzeichnis von Datenbanken und speziellen Suchmaschinen und ist auch heute noch das umfangreichste. Mit jeweils mehreren Hundert deutschsprachigen Infoquellen listen die Verzeichnisse Linky und der Katalog der Suchfibel zwar weniger Eintr√§ge, daf√ľr kommentieren und bewerten sie diese aber ausf√ľhrlicher. Das Verzeichnis Search.de setzt den Schwerpunkt auf wissenschaftliche Sites. Von dort erreicht der Surfer Dutzende wissenschaftlicher Datenbanken.
 
Weitere gute Startpunkte f√ľr Suchen - die sich auch offline fortsetzen k√∂nnen - stellen Bibliotheken dar. Ihre zum Teil kryptischen Interfaces f√ľr die Suche werden zunehmend durch komfortable Zug√§nge ersetzt. Im bibliografischen Werkzeugkasten am Universit√§tszentrum Nordrhein-Westfalen findet sich eine umfassende Sammlung an Verweisen zu allen Themen, die auch nur irgendetwas mit Gedrucktem zu tun haben. Der Karlsruher virtuelle Katalog ist der Einstieg zur Recherche in Bibliotheksdatenbanken, Zeitschriftendatenbanken und vielem mehr. Hier kann man sich genauso verlieren und in B√ľcher vergraben wie in einer herk√∂mmlichen Bibliothek.
 
Die Tabelle auf dieser Seite gibt einen √úberblick √ľber deutsche und internationale Suchdienste-Metaverzeichnisse und Spezialkataloge (siehe auch [2, 3, 4]). F√ľr einige g√§ngige Recherchegebiete stellen wir im Folgenden eine Auswahl bew√§hrter kostenloser Informationsquellen vor. Bei professionellen, umfassenden Recherchen kann es sich aber auch lohnen, ein kostenpflichtiges Angebot zu konsultieren. Alle gro√üen Datenbankanbieter machen ihr Angebot auch √ľber das Internet zug√§nglich. Der Kasten auf Seite 176 stellt die einzelnen Dienste vor.
 
Allgemeinwissen im Übermaß

 
Leider sind nicht alle gro√üen Enzyklop√§dien im Internet erreichbar. Allerdings k√∂nnte sich das bald √§ndern, nachdem der Herausgeber der Encyclopaedia Britannica angek√ľndigt hat, sein Nachschlagewerk komplett kostenlos zug√§nglich zu machen. Microsofts Encarta ist schon l√§nger zum Nulltarif online, aber nur in einer Light-Version. Das deutschsprachige Meyers Lexikon ist auf drei zeitgleiche Benutzer beschr√§nkt - weitere Informationshungrige, die auf das Angebot zugreifen wollen, werden abgewiesen. Ein Online-Rechtschreiblexikon findet sich bei Lycos.
 
Informationen √ľber ein bestimmtes Produkt oder ein Unternehmen sucht man am besten auf dem Webserver der Firma. Kaum ein Unternehmen kann es sich heute noch erlauben, vollst√§ndig ohne Webpr√§senz dazustehen, viele Firmen haben gelernt, dass ein gut sortierter Server mit viel n√ľtzlicher Information eine gute Werbung ist. Wenn man die Website eines Unternehmens unter www.<firmenname>.de oder www.<firmenname>.com nicht findet (beziehungsweise  
Apropos Domainregistrierung. Oft √§rgert man sich, dass Webseitenanbieter es unterlassen, eine Kontaktadresse anzugeben. Ein kurze Anfrage mittels Whois beim Denic oder dem f√ľr .com, .net und .org verantwortlichen amerikanischen Dienstleister Network Solutions schafft schnell Klarheit √ľber den Besitzer der Adresse. Inzwischen gibt es auch die M√∂glichkeit, via Meta-Whois nachzuforschen; die deutsche Metasuchmaschine mit dem sch√∂nen Namen Metaspinner bietet ein solches Interface an.
 
Falls die Suche √ľber die URL nicht zum Erfolg f√ľhrt: F√ľr die Recherche nach Firmen bietet das Web mittlerweile etliche Branchenb√ľcher, zum Beispiel die Gelben Seiten. 1Jump, das sich bescheiden ‚ÄėThe Ultimate Business Portal‚Äô nennt, kennt die Firmenadressen von einer Million Unternehmen weltweit. Wer liefert was? beantwortet das gleichnamige Online-Produktverzeichnis. Auch bei der Orientierung auf dem virtuellen Markplatz helfen Spezialisten: Shop-Verzeichnisse wie Shop.de oder das neue wowowo.de f√ľhren zum Online-H√§ndler der Wahl, Auktionsportale wie auctionsearch.de kennen das Angebot s√§mtlicher Online-Auktionatoren und erlauben die Suche darin.
 
Viele gro√üe Magazine, Tages- und Wochenzeitungen sind mit √ľberragenden Infoseiten im Netz, die sich prima zur Recherche tagesaktueller Themen eignen. Die bekannten Magazine wie Spiegel, Stern, Focus und andere bieten News des Tages und teilweise auch spezielle Inhalte ausschlie√ülich online. Die Suchfunktionen erstrecken sich teilweise auch auf die Artikel der gedruckten Ausgabe.
 
Die Infoprofis im Netz
 
Auch Tageszeitungen ver√∂ffentlichen eine gro√üe Zahl der in der Printausgabe erscheinenden Artikel im Netz. Mehr oder weniger gut versteckt findet sich bei vielen Tageszeitungen auch eine in der Regel kostenlose Recherchem√∂glichkeit im Artikelarchiv. Das gilt auch f√ľr international renommierte Bl√§tter wie die New York Times, die Washington Post, Le Monde oder die Financial Times.
 
Da die Zahl der Zeitungen mit Online-Pr√§senz im deutschsprachigen Raum bereits dreistellig geworden ist, gibt es spezielle Nachrichtensuchmaschinen, die Online-Angebot vieler Publikationen tagesaktuell, teilweise sogar in halbst√ľndigem Rhythmus, indizieren. Paperball spezialisiert sich auf die deutschsprachigen Medien und l√§sst auch kleine und lokale Bl√§tter nicht aus. Paperazzi bietet sogar die M√∂glichkeit, die Recherche auf Artikel auszudehnen, die bereits mehrere Monate alt sind. Der News-Sucher sendet auf Wunsch auch einen pers√∂nlich konfigurierbaren Newsletter zu. Paperboy sucht auch in internationalen Zeitungen. Allerdings geraten seine Zusammenfassungen der jeweiligen Artikel dort manchmal wenig aussagef√§hig. Alle genannten Nachrichtensucher erm√∂glichen es dem Nutzer, ein pers√∂nliches Profils einzurichten und stellen ihm nach diesen Vorgaben bei jedem Besuch eine Auswahl von Artikeln zusammen.
 
Gemessen an der zur Verf√ľgung stehenden Informationsf√ľlle sind die M√∂glichkeiten der Online-Recherche bei Fernsehsendern eher bescheiden. Das gilt ganz besonders f√ľr die Privaten: √úber ein paar launige Promi-Plaudereien und das eigene Fernsehprogramm kommt man nicht hinaus. Und selbst das l√§sst sich inklusive Kurzrezensionen und Tagestipps bei den Kollegen aus dem Printbereich umfassender erfragen. Die miteinander konkurrierenden TV Movie, TV Spielfilm und TV Today bieten alle umfangreiche Suchm√∂glichkeiten im aktuellen Fernsehprogramm, sodass es bei diesem √úberangebot letztlich nur eine Frage des pers√∂nlichen Geschmacks ist, wo man sich √ľber das Programm informiert. Wer lieber ins Kino geht, der bekommt einen komfortablen Spielplan inklusive Kurzkritiken frei Haus: Die Kinozeitschrift Cinema bietet diesen Service bundesweit.
 
Onkel Doktor online
 
Viele Anfragen an Suchmaschinen drehen sich um Gesundheitsprobleme und medizinisches Fachwissen. Auch in diesen Bereichen existieren mittlerweile etliche Spezialisten. Neben wissenschaftlichen Quellen lassen sich auch popul√§rwissenschaftlich aufbereitete Fachartikel abrufen, f√ľr das kleine Wehwehchen zwischendurch. Lifeline bietet nicht nur Informationen zu einer ganzen Reihe von Krankheiten, sondern erm√∂glicht es auch, direkt zum Fachmann Kontakt aufzunehmen. Dr.Antonius ist ebenfalls auf den medizinischen Laien ausgerichtet. Eine Thesaurus-basierte Suche vergleicht die eingegebenen Begriffe mit einem medizinischen W√∂rterbuch und √ľbersetzt bei Bedarf die lateinischen Fachbegriffe ins Deutsche oder umgekehrt. Nebenbei bekommt man eine Reihe von Vorschl√§gen zur Verkn√ľpfung und somit viele Tipps zum Eingrenzen der Suche. Wer es ganz genau wissen m√∂chte und vom Fach ist, der kann auch die kostenpflichtigen medizinischen Datenbanken befragen (siehe c't 23/99, Seite 176).
 
Und wenn der PC krankt: Gerade im Bereich Computertechnik ist es sinnvoll, statt einer Volltextsuchmaschine eine spezielle Datenquelle zu befragen; allgemeine Suchmaschinen finden auf Suchanfragen aus dem PC-Bereich oft zu wenige passende Treffer (siehe c't 23/99, Seite 162). Aber es existiert bereits eine Vielzahl von Recherchequellen f√ľr PC-Nutzer. Das Angebot reicht von Abk√ľrzungslexika wie PC Webopaedia √ľber allgemeine Hilfestellungen zur Hardware, wie sie der PC Guide bietet, bis zu konkreten Hilfestellungen, beispielsweise in der c't-Hotline-Datenbank. c't pflegt auf seinem Server eine Verweisliste zu Online-Angeboten, die bei jeder Art von PC-Problemen helfen.
 
Menschensucher
 
Bei weitem nicht alle Fragen lassen sich direkt √ľber das Netz kl√§ren. Oft f√ľhrt der Weg zu einem Fachmann, der m√∂glicherweise die Antwort wei√ü. Experten lassen sich √ľber wer weiss was suchen. Interessierte tragen sich dort in eine Datenbank ein und stellen ihr Wissen im Austausch zur Verf√ľgung. Auch zu den hoch spezialisierten Fachleuten an Universit√§ten gibt es eine zentrale Kontaktm√∂glichkeit. Der Informationsdienst Wissenschaft an der TU Clausthal vermittelt Journalisten kompetente Leute aus Forschung und Wissenschaft. Nat√ľrlich gibt es online auch richtige Jobb√∂rsen: Der Zeit-Robot wertet zum Beispiel Hunderte Stellenm√§rkte aus.
 
Last, not least seien die anderen Dienste des Internet erw√§hnt, die sich neben dem World Wide Web als Recherchequelle nutzen lassen. Das Usenet beispielsweise ist eine prima Quelle f√ľr die Kl√§rung technischer Probleme. Man darf zwar nicht damit rechnen, immer sofort eine Antwort auf eine Frage zu bekommen, die man in einem Usenet-Forum stellt. H√§ufig finden sich in den Newsgroups aber Experten, die einem weiterhelfen k√∂nnen. Spezielle Suchdienste wie Deja.com bieten auch hier komfortable Recherchem√∂glichkeiten.
 
Literatur
[1] Thomas Schult: Das Netz ist Klang, Musik finden im WWW, c't 14/99, S. 96
 
[2] Jo Bager: Navigationshilfen, Websites finden, Bookmarks verwalten, c't 13/99, S. 116
 
[3] Jo Bager, Dr. Adolf Ebeling, Michael Kurzidim, Wegweiser f√ľr das Gratisweb, Kostenlose Dienste im Internet - ein √úberblick, c't 4/99, S. 112
 
[4] Jo Bager: Weniger ist mehr, Internet-Suchmaschinen richtig einsetzen, c't 15/98, S.110

 

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Erik Möller

 

Goldgräberstimmung

 

Im kostenlos zu durchsuchenden World Wide Web hat schon manch unerschrockener Schatzsucher wahre Goldklumpen gefunden, doch wirklich ergiebige F√∂rdermengen versprechen die kostenpflichtigen Datenbankanbieter. Deren Betreuer spielen t√§glich gigabyteweise sortiertes und indexiertes Material aus der Welt des bedruckten Papiers in die Rechnersysteme ein. Artikel werden im Volltext digitalisiert, Beitr√§ge aus wissenschaftlichen Journalen zusammengefasst, wichtige Gesch√§ftsdaten tabellarisiert, Fernseh- und Radiosendungen transkribiert. F√ľr ihre Dienste verlangen die Anbieter stattliche Preise, und doch ist nicht alles Gold, was gl√§nzt.

 

Zun√§chst sollte man sich dar√ľber im Klaren sein, ob die gew√ľnschte Information nicht auch kostenlos verf√ľgbar ist. So ist zum Beispiel die wichtige medizinische Datenbank MEDLINE v√∂llig kostenlos im Internet durchsuchbar, und IBM erm√∂glicht gratis die Recherche in US-Patenten. Ben√∂tigt man eine Datenbank au√üerordentlich h√§ufig, kann es sich schnell rechnen, sie auf einer CD-ROM zu beziehen. Deren Preise variieren stark, teilweise sind hier echte Schn√§ppchen zu machen.

 

Bei der Suche in kostenpflichtigen Datenbanken stellt sich zun√§chst die Frage, ob man bei einem Anbieter einer einzelnen Datenbank seine Informationen einkauft oder bei Sammelanbietern, die mitunter eine ganze Hundertschaft von Datenbanken im Programm haben (einige Sammelanbieter, z. B. Juris f√ľr Juristen oder DIMDI f√ľr Mediziner bieten ausschlie√ülich Datenbanken zu einem Fachgebiet an). Oft kann man beim Direktbezug vom Hersteller Geld sparen, aber nicht selten ist dort das Interesse an ‚ÄėKleinabnehmern‚Äô gering.

 

Dar√ľber hinaus ist nat√ľrlich nicht bei jeder Suche die Quelle bekannt, und oft ist es ratsam, mehrere Datenbanken nach einer bestimmten Information zu durchsuchen: Stand der Artikel √ľber das ‚ÄėTerminator-Gen‚Äô in der ‚ÄėNew York Times‚Äô oder im ‚ÄėSpiegel‚Äô, oder war es blo√ü eine schn√∂de Tickermeldung? Hat man nur den Zugriff auf eine einzige Datenbank, bleibt die alternative Suche in anderen Quellen versperrt. Somit ist es nur Nutzern sehr spezifischer (zum Beispiel markenrechtlicher) Informationen zu empfehlen, sich auf einzelne Datenbanken zu beschr√§nken. Eine gute √úbersicht kostenpflichtiger und kostenloser Datenbanken gibt der ‚ÄėInternet Resource Guide for Research and Exploration‚Äô.

 

Dieser Artikel konzentriert sich auf die Anbieter von Datenbanksammlungen, im Einzelnen DIALOG, DataStar, Lexis-Nexis, Genios, GBI, das Fachinformationszentrum Technik und STN International. Die Kosten einer Gelegenheitsnutzung bewegen sich bei allen diesen Anbietern auf einem auch f√ľr Privatpersonen gerade noch vertretbaren Niveau (siehe Tabelle). Viele Anbieter verrechnen zudem die Monats- beziehungsweise Jahrespauschale mit den Recherchekosten.

 

Die Kosten einer Recherche richten sich nach der Datenbank, der Zahl der ausgegebenen Treffer und dem Ausgabeformat (von Kurzzusammenfassungen bis zum Volltext), bei manchen Anbietern kommt ein Verbindungstakt hinzu. Bei DIALOG werden ominöse DIALUnits fällig, welche sich nach der auf dem Server verbrauchten Rechnerzeit richten (die sich allerdings nur von erfahrenen Nutzern abschätzen lässt, und auch das nicht allzu zuverlässig).

 

Die Nutzungsgeb√ľhren f√ľr eine Anfrage schwanken je nach Datenbank stark, von Pfennig- bis zu zweistelligen DM-Betr√§gen. Es empfiehlt sich - sofern die entsprechende Option serverseitig zur Verf√ľgung steht - im Vorfeld eine kostenm√§√üige Obergrenze zu setzen, damit der Info-Goldrausch nicht am Monatsende zur Ern√ľchterung f√ľhrt.

 

Am wichtigsten ist die detaillierte Vorbereitung jeder Suche:

     

  • Welche Datenbanken ben√∂tige ich? (Metasuche, anschlie√üend Auswahl einer oder mehrerer Datenbanken)
  • Welche Schl√ľsselw√∂rter sind die richtigen (und in welcher Verkn√ľpfung)?
  • Muss ich bestimmte W√∂rter explizit ausschlie√üen?
  • Welcher Zeitraum ist relevant?
  • Wie viele Treffer m√∂chte ich mir anschauen?
  • Ben√∂tige ich eine spezielle Sortierung?
  • Will ich zun√§chst im kostenlosen oder preisg√ľnstigen Einfachformat ausgeben oder riskiere ich gleich den Volltext?
  • Nutze ich die Dokumentlieferdienste des Anbieters oder externe?

(Nicht bei allen Anbietern hat man sofortigen Zugriff auf den Volltext der Dokumente, der Kunde muss sie sich zufaxen oder -senden lassen)

 

Vor allem die Wahl der richtigen Keywords kann sehr viel Zeit sparen - Namen oder Phrasen sind wesentlich eindeutiger als Allgemeinbegriffe.

 

Info-Warenhäuser

 

Das Angebot von DIALOG ist sehr breit gef√§chert. Die √ľber 650 Datenbanken befassen sich mit so unterschiedlichen Bereichen wie Biochemie, Astronomie, Kunst, Neuigkeiten und Statistiken aus Industrie und Handel, Patenten, Regierungsver√∂ffentlichungen, wichtigen Tageszeitungen, Physik, TV- und Radio-Transkripten, Psychologie, Soziologie, Energiewirtschaft, Markenrecht et cetera. Es handelt sich um eine wahre Schatzkammer von Informationen zu fast jedem erdenklichen Thema. Dabei sei erneut daran erinnert, dass einige wenige der enthaltenen Datenbanken (oder geeigneter Ersatz) auch kostenlos im Netz verf√ľgbar sind.

 

Allerdings ist DIALOG stark auf den englischsprachigen Bereich ausgerichtet. Neben dem Hoppenstedt-Verzeichnis deutscher Firmen und einem TRADEMARK-Scan f√ľr deutsche Marken findet man so gut wie keine Deutschland-spezifischen Datenbanken und kaum Informationen in deutscher Sprache. Anders sieht es beim Schweizer DataStar-Angebot aus. Hier finden sich bereits mehrere deutsche Firmen-Verzeichnisse und einige deutschsprachige Print-Medien. Knight Ridder bietet DIALOG und DataStar auch im preissparenden ‚ÄėBundle‚Äô an.

 

Lexis-Nexis erfreut sich gro√üer Beliebtheit bei Juristen und Journalisten (neben den √ľblichen Verd√§chtigen in Industrie und Bibliothekswesen). Es besteht nach firmeneigenen Angaben aus √ľber 10 200 Datenbanken. Der Vergleich des Leistungsangebots wird dadurch erschwert, dass die Datenbanken von Lexis-Nexis selbst nicht im Internet einsehbar sind, sondern nur Beschreibungen ihrer zu Grunde liegenden Quellen, die prim√§r aus dem rechtlichen und aus dem nachrichtlichen Bereich stammen. Darunter befinden sich viele ausl√§ndische Zeitungen, das deutschsprachige Angebot h√§lt sich in Grenzen.

 

Wer prim√§r im deutschsprachigen Raum recherchiert, wird einen darauf spezialisierten Sammelanbieter nutzen wollen. Ein breites Spektrum bieten GBI und Genios. Das Angebot von Genios umfasst √ľber 500 √ľberwiegend deutschsprachige Datenbanken. Neben wichtigen Presseorganen finden sich hier zahlreiche betriebswirtschaftliche Datenbanken.

 

Die ‚ÄėGesellschaft f√ľr Betriebswirtschaftliche Information‚Äô (kurz GBI) hat, wie der Name schon nahe legt, vor allem betriebswirtschaftliche Datenbanken im Angebot, bietet aber ebenfalls wichtige Presseerzeugnisse. Interessant f√ľr Unentschlossene ist die kostenlose Cross-Recherche in den Datenbanken, mittels derer man sich einen √úberblick √ľber die quantitative Abdeckung des eigenen Themenschwerpunkts verschaffen kann.

 

Techniker werden sich bei den Angeboten des Fachinformationszentrums Technik und bei STN (Scientific and Technical Information Network) International zu Hause f√ľhlen. Ob Schiffbau, Maschinenbau, H√§userbau oder Bergbau, ob Elektro-, Energie-, Informations- oder Kommunikationstechnik, alles ist vertreten.

 

Sprachprobleme

 

Bei allen Anbietern ist neben Angebot und Kosten auch die Frage der Benutzungsoberfl√§che von Bedeutung, das hei√üt die Art des Zugangs zu den gew√ľnschten Informationen. Das Spektrum reicht vom Telnet-Zugang mit einer m√§chtigen Abfragesprache bis hin zum einfach zu bedienden Web-Interface. Sofern der Anbieter eine eigene Software bereitstellt, ist diese im Regelfall zu empfehlen. Allerdings nicht √ľberall: Der Search Client von DIALOG ist ein primitiver 16-Bit-Telnet-Client von anno dazumal, hier empfiehlt sich ein professioneller Telnet-Client als Ersatz.

 

Web-Interfaces haben entscheidende Nachteile: Neben Einschr√§nkungen in der Pr√§zision und M√§chtigkeit fehlt meist die M√∂glichkeit, eine Suche von Anfang bis Ende zu protokollieren. Auch sind sie nicht so ausgereift wie √ľber Jahrzehnte verfeinerte Telnet-Dienste oder Spezialprotokolle. Daf√ľr verlangen sie dem Nutzer weniger Einarbeitung ab. Doch die Datenbanksprachen sind einfacher zu erlernen als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Die meisten Anbieter stellen kostenlose Demo-Datenbanken zur Verf√ľgung, in denen man sich nach Herzenslust austoben kann. Ein Angebot, das Anf√§nger unbedingt nutzen sollten.

 

Kommentare:

Es geht aber auch ohne Sherlock/PPC/Mac-OS8.x... Timo Becker, 14.11.1999

Video- und Text-Archiv des Bayerischen Rundfunks Friedrich Reichert, 11.11.1999

atat.de - die Auktionssuchmaschine st auch sehr n√ľtzlich ! Gerhard, 10.11.1999

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